Bull Valley Gorge

Die Bull Valley Gorge ist einer der bekannteren Slot Canyons des westlichen Grand Staircase Escalante National Monuments. Auch wenn es bei meinem Besuch im November 02 mit der geplanten Begehung nicht wirklich klappte, möchte ich es nicht versäumen, ihn hier kurz vorzustellen.

Bull Valley Gorge Blick in den bis zu 60 Meter tiefen Canyon

Die "Bullentalschlucht" hat ihren Namen aus den frühen Jahren der Viehzucht in diesem Gebiet. Damals wurde der bis zu 60 Meter tiefe Canyon von den Ranchern dazu genutzt, um die Kühe von den Bullen zu trennen. Während also die Kühe auf der einen Seite der Schlucht gehalten wurde, hatten die Bullen auf der anderen Seite das Nachsehen. An einigen Stellen war der Canyon so eng, daß ein guter Reiter auf die andere Seite springen konnte. Die Rancher konnten dadurch sowohl die Kühe als auch die Bullen kontrollieren, ohne daß sie dafür die gesamte Schlucht umgehen mussten.
In den 40er Jahren wurde schließlich eine einfache, äußerst schmale Holzbrücke über den Canyon gebaut, die vorallem von den ansässigen Viehzüchtern genutzt wurde. Damit war nun auch zum ersten Mal eine direkte Verbindung zwischen dem Bryce und Johnson Canyon möglich.


Diese Brücke sollte einige Jahre später Schauplatz eines tragischen Unfalls werden, wodurch die Bull Valley Gorge traurige Berühmtheit erlangte. Doch dazu weiter unten mehr.

Orientierung

Die Bull Valley Gorge liegt in der nordwestlichen Ecke des National Monuments unweit von Cannonville, und ist von dort über die Skutumpah Road zu erreichen. Diese verbindet Cannonville mit dem südwestlich gelegenen Kanab.

Der Streckenabschnitt Cannonville - Bull Valley Gorge ist relativ gut gewartet, und so kann man die Dirt Road bei trockenen Bedingungen problemlos mit einem Pkw befahren. Erhöhte Vorsicht ist allerdings bei feuchten Strassenbedingungen geboten, denn die speziell im Bereich nördlich der Brücke über die Bull Valley Gorge vorherrschenden Lehmböden machen eine Befahrung auch mit Allradantrieb nahezu unmöglich. Unterwegs sind nämlich einige heftige Steigungen zu überwinden, bei deren Abfahrten man schnell ins Rutschen geraten kann.
In den Wintermonaten (ca. November-April) ist die Skutumpah Road übrigens gesperrt, da Schnee und Eis eine Befahrung zu gefährlich machen. Ist ja eigentlich auch gar nicht mal so verwunderlich, wenn man bedenkt, daß einige der zu überfahrenden Pässe an die 2.000 Meter hoch sind.

Übersichtskarte
(Kartengrundlage: Übersichtskarte Grand Staircase / Escalante NM, Bureau of Land Management)

Von der Highway 12 kommend, biegt man in Cannonville nach Süden in Richtung Kodachrome Basin SP ab. Nach 3 Meilen erreicht man den ausgeschilderten Abzweig der Skutumpah Road. Man ist auf der richtigen Dirt Road, wenn man nach 1,4 Meilen einen Cattle Guard kreuzt. Bei 3,5 Meilen beginnt die steile Auffahrt auf fast 1.900 Meter, die nur vom Averett Canyon unterbrochen wird. Nach gut 6 Meilen durchfährt man den Willis Creek, der hier auch durchaus Wasser führen kann. Hier beginnt übrigens eine weitere lohnende Tour durch den technisch einfachen Willis Creek Slot Canyon.
Nach 8 Meilen erreicht man schließlich die Bull Valley Gorge. Das Auto parkt man am besten auf der kleinen Aufweitung rechts vor der Brücke.

Alter Truck Der alte Pickup Truck, der hier seit einem tragischen Unfall im Jahre 1954 eingekeilt ist.

Der beste Zugang in den Canyon erfolgt über das nordwestliche Ende der Schlucht. Hier sind die Felswände niedrig genug zum Hinabklettern. Um zum Einstieg zu gelangen, zwängt man sich an der kleinen Parkbucht durch das schmale Tor im Weidezaun, und läuft ca. 400 Meter entlang der Abbruchkante bis fast ans Ende des Canyons. Unterwegs hat man immer wieder herrliche Einblicke in die dunkle und teilweise wirklich enge Schlucht. Je nach Witterung wird man am Canyonboden auch einige mehr oder weniger große Wasserlöcher erkennen, die man im Laufe der Begehung durchwaden muss. Auch ich konnte tief unter mir mehrere stattliche Potholes ausmachen. Naja, meine Trekkingsandalen hatte ich ja sicherheitshalber mit im Rucksack dabei. Am Einstieg angekommen, wollte ich mich gerade einen Weg in den Canyon suchen, als mich unten ein verdammt großes Wasserloch entgegenlächelte, welches die gesamte Einstiegsstelle in Beschlag nahm. Doch damit nicht genug, denn obendrein war das Pothole noch mit einer hauchdünnen, funkelnden Eisschicht überzogen! Im Nachhinein betrachtet eigentlich kein Wunder, denn die Bull Valley Gorge liegt in einer Höhe von über 1.800 Metern, und Mitte November hat hier schon längst der Winter Einzug gehalten.
Naja, da war ich dann doch zu sehr Warmduscher! *g* Eher halbherzig suchte ich zwar noch ein wenig nach einer anderen Einstiegsmöglichkeit, aber bald schon machte ich mich auf den Rückweg zum Auto, um mir die berühmte Brücke mal genauer anzusehen...


Diese wurde 1954 an Stelle der oben erwähnten Holzbrücke erbaut, nachdem dort ein Pickup Truck in die Schlucht gestürzt war.
...
Am 14. Oktober 1954 befuhren drei Farmer aus Cannonville und Henrieville mit ihrem Pickup Truck die Skutumpah Road in Richtung Kane County, um dort auf die Jagd zu gehen. Als sie am Samstag noch nicht zurück waren, wurde mehrere Suchtrupps losgeschickt. Tags darauf entdeckte man den Pickup, der direkt neben der Holzbrücke in die Bull Valley Gorge gestürzt war, und sich dort 40 Meter über dem Boden zwischen den Canyonwänden verkeilt hatte. Während zwei der Leichen sich immer noch im Pickup befanden, stüzte der dritte Farmer fast 60 Meter tief auf den Boden des Canyons. Die Bergung der beiden im Wrack eingeklemmten Leichen dauerte mehrere Stunden und war eine gefährliche Angelegenheit. Nur mit einem Seil gesichert, kletterten einige Freiwillige zum Truck hinunter, um die Opfer aus dem völlig demolierten Wagen herauszuschneiden.
(Quelle: Garfield County News vom 21.Okt.1954)

Wie eine spätere Rekonstruktion des Unfallhergangs ergab, verlor der Fahrer beim Überqueren der Brücke anscheinend die Kontrolle über seinen Pickup, woraufhin dieser rückwärts in die Schlucht rollte, und sich 15 Meter tiefer zwischen den Felswänden verkeilte.
Als Konsequenz aus diesem Unfall, beschloss man, die Brücke über die Bull Valley Gorge zu verbreitern. Da keine Möglichkeit bestand, das Fahrzeugwrack zu entfernen, wurde es kurzerhand als "Fundament" für den neuen Übergang verwendet. Darüber legte man Holzstämme und Felsbrocken und füllte das Ganze mit Geröllschutt und Erdreich auf. Noch heute kann man auf der Westseite der Brücke den Pickup erspähen (siehe Foto oben). Mit ein klein wenig Fantasie erkennt man die silbrig glänzende Stoßstange samt Kühlergrill, sowie das linke Vorder- und Hinterrad.


Blick auf die Westseite der Brücke. Unten erkennt man direkt über der schwarzen Felsspalte die Stoßstange des alten Trucks

Es lohnt sich, von der Brücke aus einige hundert Meter entlang des westliche Canyonrandes zu laufen. Unterwegs hat man immer wieder eine tolle Aussicht in die sich hier nun allmählich aufweitende Schlucht.

Die Bull Valley Gorge ist nicht nur für Canyoneering- Freunde einen Abstecher wert. Man sollte eine Begehung der Schlucht allerdings auf die Sommermonate legen, da aufgrund der Höhenlage der Winter um einiges früher Einzug hält als man gemeinhin erwartet, und selbst im Frühjahr hier noch frostige Temperaturen vorherrschen können. Die Zufahrt über die Skutumpah Road ist zudem bei trockenen Verhältnissen relativ problemlos auch mit einem Pkw zu machen.



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Copyright 1999-2003   Karsten Rau   Letzte Änderung: 06. Mai 2003