Die Bull Valley Gorge ist einer der bekannteren Slot Canyons des westlichen Grand Staircase Escalante National Monuments. Auch wenn es bei meinem Besuch im November 02 mit der geplanten Begehung nicht wirklich klappte, möchte ich es nicht versäumen, ihn hier kurz vorzustellen.
Blick in den bis zu 60 Meter tiefen Canyon
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Die "Bullentalschlucht" hat ihren Namen aus den frühen Jahren der Viehzucht in diesem Gebiet.
Damals wurde der bis zu 60 Meter tiefe Canyon von den Ranchern dazu genutzt, um die Kühe von den Bullen
zu trennen. Während also die Kühe auf der einen Seite der Schlucht gehalten wurde, hatten
die Bullen auf der anderen Seite das Nachsehen. An einigen Stellen war der Canyon so eng, daß
ein guter Reiter auf die andere Seite springen konnte. Die Rancher konnten dadurch sowohl die Kühe als auch
die Bullen kontrollieren, ohne daß sie dafür die gesamte Schlucht umgehen mussten.
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Diese Brücke sollte einige Jahre später Schauplatz eines tragischen Unfalls werden, wodurch die Bull Valley Gorge traurige Berühmtheit erlangte. Doch dazu weiter unten mehr.
OrientierungDie Bull Valley Gorge liegt in der nordwestlichen Ecke des National Monuments unweit von Cannonville, und ist von dort über die Skutumpah Road zu erreichen. Diese verbindet Cannonville mit dem südwestlich gelegenen Kanab.
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Der Streckenabschnitt Cannonville - Bull Valley Gorge ist relativ gut gewartet, und so kann man die Dirt Road
bei trockenen Bedingungen problemlos mit einem Pkw befahren. Erhöhte Vorsicht ist allerdings bei feuchten
Strassenbedingungen geboten, denn die speziell im Bereich nördlich der Brücke über die
Bull Valley Gorge vorherrschenden Lehmböden machen eine Befahrung auch mit Allradantrieb nahezu
unmöglich. Unterwegs sind nämlich einige heftige Steigungen zu überwinden, bei deren Abfahrten man schnell
ins Rutschen geraten kann.
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(Kartengrundlage: Übersichtskarte Grand Staircase / Escalante NM, Bureau of Land Management) |
Von der Highway 12 kommend, biegt man in Cannonville nach Süden in Richtung Kodachrome Basin SP
ab. Nach 3 Meilen erreicht man den ausgeschilderten Abzweig der Skutumpah Road. Man ist auf der richtigen
Dirt Road, wenn man nach 1,4 Meilen einen Cattle Guard kreuzt. Bei 3,5 Meilen beginnt die steile
Auffahrt auf fast 1.900 Meter, die nur vom Averett Canyon unterbrochen wird. Nach gut 6 Meilen
durchfährt man den Willis Creek, der hier auch durchaus Wasser führen kann.
Hier beginnt übrigens eine weitere lohnende Tour durch den technisch einfachen
Willis Creek Slot Canyon.
Nach 8 Meilen erreicht man schließlich die Bull Valley Gorge. Das Auto parkt man
am besten auf der kleinen Aufweitung rechts vor der Brücke.
Der alte Pickup Truck, der hier seit einem tragischen Unfall im Jahre 1954 eingekeilt ist.
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Der beste Zugang in den Canyon erfolgt über das nordwestliche Ende der Schlucht. Hier sind die Felswände
niedrig genug zum Hinabklettern.
Um zum Einstieg zu gelangen, zwängt man sich an der kleinen Parkbucht durch das schmale Tor im Weidezaun, und läuft
ca. 400 Meter entlang der Abbruchkante bis fast ans Ende des Canyons. Unterwegs hat man immer wieder herrliche
Einblicke in die dunkle und teilweise wirklich enge Schlucht. Je nach Witterung wird man am Canyonboden auch
einige mehr oder weniger große Wasserlöcher erkennen, die man im Laufe der Begehung
durchwaden muss. Auch ich konnte tief unter mir mehrere stattliche Potholes ausmachen. Naja, meine
Trekkingsandalen hatte ich ja sicherheitshalber mit im Rucksack dabei. Am Einstieg angekommen, wollte ich mich gerade
einen Weg in den Canyon suchen, als mich unten ein verdammt großes Wasserloch entgegenlächelte, welches die
gesamte Einstiegsstelle in Beschlag nahm. Doch damit nicht genug, denn obendrein war das Pothole noch mit einer hauchdünnen,
funkelnden Eisschicht überzogen! Im Nachhinein betrachtet eigentlich kein Wunder, denn die Bull Valley Gorge liegt in
einer Höhe von über 1.800 Metern, und Mitte November hat hier schon längst der Winter Einzug gehalten. |
Diese wurde 1954 an Stelle der oben erwähnten Holzbrücke erbaut, nachdem dort ein Pickup Truck in
die Schlucht gestürzt war.
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Am 14. Oktober 1954 befuhren drei Farmer aus Cannonville und Henrieville mit ihrem Pickup Truck die Skutumpah Road in Richtung
Kane County, um dort auf die Jagd zu gehen. Als sie am Samstag noch nicht zurück waren,
wurde mehrere Suchtrupps losgeschickt. Tags darauf entdeckte man den Pickup, der direkt neben der
Holzbrücke in die Bull Valley Gorge gestürzt war, und sich dort 40 Meter über dem Boden zwischen
den Canyonwänden verkeilt hatte. Während zwei der Leichen sich immer noch im Pickup befanden,
stüzte der dritte Farmer fast 60 Meter tief auf den Boden des Canyons. Die Bergung der beiden im Wrack eingeklemmten
Leichen dauerte mehrere Stunden und war eine gefährliche Angelegenheit. Nur mit einem Seil gesichert, kletterten
einige Freiwillige zum Truck hinunter, um die Opfer aus dem völlig demolierten Wagen
herauszuschneiden.
(Quelle: Garfield County News vom 21.Okt.1954)
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Wie eine spätere Rekonstruktion des Unfallhergangs ergab, verlor der Fahrer beim Überqueren der Brücke
anscheinend die Kontrolle über seinen Pickup, woraufhin dieser rückwärts in
die Schlucht rollte, und sich 15 Meter tiefer zwischen den Felswänden verkeilte.
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Blick auf die Westseite der Brücke. Unten erkennt man direkt über der schwarzen Felsspalte die Stoßstange des alten Trucks |
Es lohnt sich, von der Brücke aus einige hundert Meter entlang des westliche Canyonrandes zu laufen.
Unterwegs hat man immer wieder eine tolle Aussicht in die sich hier nun allmählich aufweitende Schlucht.
Die Bull Valley Gorge ist nicht nur für Canyoneering- Freunde einen
Abstecher wert. Man sollte eine Begehung der Schlucht allerdings auf die Sommermonate legen, da aufgrund
der Höhenlage der Winter um einiges früher Einzug hält als man gemeinhin erwartet, und
selbst im Frühjahr hier noch frostige Temperaturen vorherrschen können.
Die Zufahrt über die Skutumpah Road ist zudem bei trockenen Verhältnissen
relativ problemlos auch mit einem Pkw zu machen.
| Copyright 1999-2003 Karsten Rau | Letzte Änderung: 06. Mai 2003 |