Die Besteigung des El Misti

Refugio Monte Blanco auf 4.800m Höhe
Refugio Monte Blanco in 4.800m Höhe

Der Aufstieg wurde nun spürbar anstrengender, die dünne Luft setzte uns mächtig zu. Auch konnte niemand mehr verbergen, daß er bereits 1.500 Höhenmeter in den Beinen hatte. Nach einer langen Stunde erreichten wir endlich das Basecamp. Wir waren nun genauso hoch wie der höchste Punkt der Alpen, der Gipfel des Montblanc (4807m), nur mit dem kleinen Unterschied, daß wir hier unsere Zelte aufschlugen.
Seit Erreichen des Camp I hatte ich leichte Kopfschmerzen, die sich nun merklich verschlimmerten. Monique ging es nicht viel besser, nur Joris hatte nachwievor keine Probleme mit der Höhe. Der Appetit war aber noch da und so freuten wir uns auf die kulinarischen Leckerbissen unseres Chef de la Cuisine, Christian: Eimerweise Mate de Coca, leckere Geflügelsuppe und Spaghetti Bolognese bis zum Abwinken. Die Stimmung war ausgelassen und insgeheim hoffte ich, daß meine Kopfschmerzen wieder etwas nachlassen würden.


Abendrot über Arequipa
Sonnenuntergang hinter dem Lichtermeer von Arequipa

Der Sonnenuntergang war atemberaubend. Das Lichtermeer Arequipas funkelte wie ein Sternenhimmel tief unter uns. Spätestens jetzt hatte sich die Mitnahme meines Fotostativs bezahlt gemacht (auch wenn ich die 2 Kilo Mehrgewicht später noch verfluchen sollte :-)
Kaum war die Sonne weg, wurde es richtig schattig und so verkrochen wir uns bereits um 19 Uhr in unsere Zelte. Es sollte eine schreckliche Nacht werden...
Da meine Kopfschmerzen nicht besser wurden, warf ich bereits während des Abendessens zwei Aspirin ein und als das nichts half, noch eine Coramina Glucosa- Tablette hinterher. Hinzu kam mal wieder, daß sich der geliehene (und beim ersten Check für gut befundene) Schlafsack als bessere Stranddecke entpuppte. Ich zog alles an, was ich dabei hatte: Skiunterwäsche, zweites Paar Socken, Parka, Mütze und Handschuhe. Es half nichts. Um 22 Uhr war ich dann soweit, daß ich beschloß am nächsten Morgen umzudrehen, wenn es mir nicht merklich besser gehen würde...

Morgenrot am Chachani
Morgenrot mit Blick auf den Chachani (6075m)

Um 3:45 erlöste mich der Wecker aus meinem Halbschlaf. Ich hatte doch tatsächlich während der ganzen Nacht kein Auge zubekommen. Doch siehe da, die Kopfschmerzen waren so gut wie weg! Draußen war es noch dunkel und zudem saukalt. Joris und Monique erzählten mir beim Cocatee, daß sie auch eine schlaflose Nacht gehabt hatten. Geteiltes Leid...
Wir hatten uns in Arequipa "Astronautenpulver" für's Frühstück gekauft und mit Wasser aufgekocht schmeckte das richtig gut.

Aufstieg zum Gipfel

Um 4:30 brachen wir auf zum Gipfelsturm. Ich packte nur das Allerwichtigste in meinen Rucksack: 2 Liter Wasser, einige Energieriegel, Kamera und Stativ.
Die erste halbe Stunde mußten wir noch mit Taschenlampe laufen, danach genügte uns das Licht des Vollmondes bis zum Sonnenaufgang. Wir mieden wo möglich das Lavageröll und stiegen die nächsten beiden Stunden über Felsen auf bis zu einer kleinen Felswand in 5.300m Höhe. Dort mußten wir das einzige Mal ein wenig klettern, was aber eine willkommene Abwechslung darstellte. Wir waren mittlerweile merklich langsamer unterwegs, denn die dünne Luft bremste uns bereits heftig. Auch war es immer noch eisig kalt, da die Sonne genau hinter dem El Misti aufging, und wir deshalb bis kurz unterhalb des Gipfels im Schatten liefen.

Ich hyperventilierte bereits kräftig, bekam aber dennoch nicht genug Sauerstoff. So mußte ich nun immer häufiger Pausen einlegen um meine Sauserstoffschuld auszugleichen. Oberhalb der Felswand verlief die Route wieder im Lavageröll und wurde zunehmend steiler.


Kilometerlanger Schatten des El Misti
El Mistis kilometerlanger Schatten verdeutlicht dessen perfekte, konische Form.


Kondor


Bist Du noch einigermaßen fit? Auf der nächsten Seite haben wir's geschafft! Wir stehen am Gipfel in einer Höhe von 5.822 Meter über dem Meeresspiegel.



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