El Camino de la Muerte, Copyright Karsten Rau

Julio Paco, ein Folkloretänzer aus Coroico, befand sich mit seiner 40-köpfigen Gruppe auf dem Weg nach La Paz, um dort an einem traditionellen Fest teilzunehmen. Die berüchtigte, weil nicht ungefährliche Auffahrt zu der 3.000m höher gelegenen Metropole hatte er schon dutzende Male mitgemacht, und so nutzte Julio die Busfahrt für ein kleines Nickerchen. Gegen fünf Uhr rissen ihn plötzlich gellende Schreie aus seinem Halbschlaf. Als er aus dem Fenster blickte, stockte ihm der Atem: Der Bus war irgendwie von der schmalen Strasse abgekommen, und neigte sich bereits bedrohlich in Richtung Abgrund. Noch eher Julio reagieren konnte, gab der unbefestigte Strassenrand unter der tonnenschweren Last nach, und riss den Bus 100 Meter mit in die Tiefe. Nachdem er wieder zu sich kam, gelang es ihm trotz seiner schweren Verletzungen, wieder hoch zur Strasse zu klettern, wo ihn wenig später ein Lastwagenfahrer fand.
Der Unfall forderte 31 Menschenleben, wodurch sich der 2003er "Blutzoll" dieses Strassenabschnitts auf 101 Opfer erhöhen sollte...

(Quelle: CNN, August 2003)

Die Rede ist hier von der berühmt-berüchtigten Verbindungsstrasse zwischen La Paz und dem kleinen Yungas- Städtchen Coroico. Die Einheimischen nennen diese Strecke schlicht El Camino de la Muerte ("Strasse des Todes").
Nachfolgend möchte ich Euch von meinen Erlebnissen und Eindrücken berichten, die ich im März 2004 während meiner beiden Mountainbike- Touren auf der Death Road gesammelt habe.
Durch die (nachträgliche) Internet-Recherche für diesen Bericht hat sich meine anfängliche Euphorie für dieses "First Class - MTB-Adventure" allerdings wieder etwas gelegt, und so bin ich nunmehr hin- und hergerissen zwischen dem einerseits einmaligen Natur- und Landschaftserlebnis und "Traum eines jeden Mountainbikers", und andererseits dem nicht zu unterschätzenden, und durch die Touranbieter gerne etwas heruntergespielten Gefahrenpotentials dieser Strecke, auf der wir "Otto-Normal-Touristen" nüchtern betrachtet eigentlich nichts zu suchen haben.
Doch bildet Euch Eure Meinung am besten selbst!

Allgemeines

Die "Todesstrasse" wurde während des Krieges mit Paraquay (1932-35) von Gefangenen erbaut. Sie war lange Zeit die einzige Verbindung zwischen Coroico und La Paz, und auch heute noch ist sie eine der Lebensadern der Metropole, deren Einwohner über diese Route mit frischen Nahrungsmitteln aus den nördlichen Yungas versorgt werden.
Bis zu der kleinen Ortschaft Chusquipata ist die Strasse mittlerweile ausgebaut und asphaltiert. Danach beginnt die eigentliche "Death Road", eine einspurige Schotterpiste, die sich über zahllose Haarnadelkurven in die Yungas hinabwindet. Der Bau der Strasse war alles andere als einfach, da die steil abfallenden Felswände der Kordillere eine denkbar ungünstige Barriere bildeten. Und so musste die Strasse an vielen Stellen förmlich aus dem Fels herausgehauen werden.

Orientierung

Coroico liegt in den tropischen Tälern der Yungas, knapp 100km nordöstlich von La Paz. Hier bricht der Ostrand der Cordillera Real in das fruchtbare Beni- Becken ab, und so findet man dort neben Bananen- und Orangen-, auch Kaffee- und Coca- Plantagen. Die Passstrasse erreicht am Abre La Cumbre ihren mit 4.640 Meter höchsten Punkt, von denen sie auf den nun folgenden 60 Kilometern wieder knapp 3.500 Höhenmeter verliert. Tiefster Punkt ist das auf 1.295m Höhe gelegene Dorf Yolosa, wenige Kilometer südwestlich von Coroico.

Übersichtskarte
Übersichtskarte


Was man vielleicht besser wissen sollte... ;-)

Die Strasse von La Cumbre nach Coroico wurde 1995 in einer Studie der Inter-American Development Bank zur Most dangerous Road in the World "gekürt". Über diesen zweifelhaften Ruf kann man sich sicherlich streiten, die Statistik spricht aber zugegebenermaßen eine eindeutige Sprache: Durchschnittlich alle zwei Wochen ereignet sich auf dem gerade einmal 60km langen Strassenabschnitt ein tödlicher Unfall. Hinzu kommt noch eine unbekannte Zahl nicht registrierter Abstürze. Jedes Jahr verunglücken über 100 Menschen tödlich - darunter übrigens im Schnitt auch ein Mountainbiker. Einige der Unfallopfer konnten bis heute noch nicht aus der unzugänglichen Schlucht geborgen werden.

Hauptgründe für die katastrophale Unfallstatistik sind vorallem:

Als erste Konsequenz aus einer Serie tragischer Unglücke in den 80er Jahren - darunter auch der bis heute schwerste Unfall in der Geschichte Bolivens, als im Juli 1983 der Fahrer eines Neunachsers die Kontrolle über seinen Truck verlor und mit 100 Passagieren in den Tod stürzte - hatte sich die Regierung entschlossen, auf dem Camino de la Muerte Linksverkehr einzuführen. Und auch heute noch ist dieser Abschnitt die einzige Strasse Boliviens - ja vielleicht sogar ganz Südamerikas - auf der links gefahren wird. Jetzt werdet Ihr sicherlich fragen "Warum denn das?" Ist aber schnell erklärt: Die Einführung des Linksverkehrs wurde notwendig, nachdem der unbefestigte Strassenrand immer öfters unter den aus Coroico kommenden, vollbeladenen LKWs wegsackte, und diese mit in die Tiefe riss. Auch konnten die im Führerhaus links sitzenden LKW- und Busfahrer bei Gegenverkehr nur sehr schwierig den rechten Fahrbahnrand und somit die Abbruchkante sehen, was bei der geringsten Fehleinschätzung fatale Folgen gehabt hätte.
In den letzten Jahren wurde verstärkt an einer neuen, weitaus sichereren Verbindungsstrasse nach Coroico gebaut, welche die alte Todesstrasse ersetzen soll. Die Baumaßnahmen sind so gut wie beendet, und der Verkehr läuft schon seit einiger Zeit. Jetzt könnte man meinen, die Mountainbiker haben von nun an die Death Road für sich alleine, doch weit gefehlt! Sie wird nachwievor von Trucks befahren, weil die neue Strecke doch um einiges länger ist und viele der Einheimischen den Extra-Sprit sparen wollen.


Camino de la Muerte, Coroico
El Camino de la Muerte - Die Todesstrasse  


"Downhill Madness"

Seit mehreren Jahren werden von einer Handvoll spezialisierter Agenturen Mountainbike- Downhills auf der Todesstrasse angeboten. Die Tagestour läuft bei allen Agenturen nahezu gleich ab. Die "Dare Devils in spe" werden am frühen Morgen mit dem Bus zum La Cumbre- Pass auf 4.600m gefahren, wo sie dann auf das Fahrrad umsteigen und in einem drei bis vier Stunden dauernden Mega-Downhill bis nach Yolosa fahren. Während bei den günstigeren Touranbieter in Yolosa in der Regel Endstation ist, transportieren einige wenige Anbieter ihre frischgebackenen "Death Road"- Bezwinger noch ein paar Kilometer weiter bis zum 200m höher gelegenen Coroico. Dort bzw. in Yolosa hat man dann - je nachdem wieviel man für die Tour bezahlt hat - die Möglichkeit einfach bzw. luxuriös zu duschen und zu Mittag zu essen, was in der Regel im Preis enthalten ist. Da ich meine erste Tour mit einem der günstigsten, und die zweite mit einem der teuersten Anbieter gemacht habe, durfte ich beide "Extreme" kennenlernen. Mein Kurzfazit: Auch bei dem "Billiganbieter" wird man wieder porentief sauber und muß auch nicht verhungern. ;-)
Beide Varianten haben ihre ganz speziellen Vorzüge, und es ist wirklich nicht gerade einfach für mich zu entscheiden, welche denn nun die bessere war. So hat mir z.B. bei meiner ersten Tour die kurze aber knackige Single Trail - Passage zu unserem Hotel in Yolosa ausgesprochen gut gefallen. Allerdings kommen ausschließlich diejenigen in den Genuss dieser "Bonus-Abfahrt", die bei dieser Agentur gebucht haben. War rein fahrtechnisch gesehen das schönste Teilstück des gesamten Downhills.
Coroico hingegen glänzte aufgrund seiner erhöhten Lage mit fantastischen Ausblicken in die herrliche, subtropische Umgebung. Zudem war das angefahrene Hotel zweifelsohne eines der schönsten in dieser Gegend.

Routemap La Cumbre - Coroico, Copyright Karsten Rau



Der Tod fährt auch bei uns Gringos mit...

Diese Tatsache wird von den Agenturen zwar gerne etwas heruntergespielt, aber man sollte sich dessen immer bewusst sein. Obwohl die Strecke technisch keine nennenswerten Anforderungen an den Mountainbiker stellt, und somit auch für Gelegenheitsradler durchaus im Bereich des Machbaren liegt, sollte man den Downhill auf keinen Fall unterschätzen. Ein Fahrfehler kann auf der Death Road tödlich enden.
Forscht man ein klein wenig im WWW, wird einem schnell klar, daß man es hier eben nicht mit einem typischen Ableger des in Mode gekommenen, "bulletproof" Action-Tourismus zu tun hat.
In den letzten 10 Jahren starben bereits 14 Mountainbiker auf der Todesstrasse, eine unbekannte Zahl verletzte sich beim Sturz vom Bike. So gab es zum Beispiel 2003 innerhalb von nur vier Monaten zwei tödliche Unfälle:

Einen ausführlichen und zugleich nachdenklich stimmenden Bericht über dieses Unglück und die wagemutige, wenn auch letztendlich gescheiterte Rettungsaktion findet Ihr auf der Seite von Michael Liebreich, der mit seinen Freunden zu der MTB- Gruppe gehörte, die nur wenige Minuten später am Unglücksort eintraf, und maßgeblich an der Bergung des Opfers beteiligt war.

Auch 2008 ist ein schwarzes Jahr für die Mountainbike- Veranstalter auf der Death Road:
Ich möchte nun aber auf keinen Fall den Eindruck erwecken, daß ich heute - nachdem ich mich für diesen Bericht ausführlich mit der Geschichte der Death Road befasst habe - von dieser Tour grundsätzlich abraten würde. Ganz im Gegenteil! Für mich zählt der Mountainbike-Downhill in die Yungas zu den absoluten Highlights meiner Bolivien- Urlaube, und ich würde mich wohl auch noch ein drittes Mal auf den Sattel schwingen, sollte ich mal wieder in La Paz weilen.
Vielmehr möchte ich mit dieser Infoseite erreichen, daß man die Tour - sofern man damit liebäugelt - mit dem notwendigen Respekt und einer gesunden Portion Vorsicht angeht. Denn dann wird dieses Mountainbikeabenteuer zu einem garantiert unvergesslichen (Natur-) Erlebnis werden, welches in dieser Art weltweit sicherlich einmalig ist!



Letzte Vorbereitungen am La Cumbre Pass
Letzte Vorbereitungen am La Cumbre Pass  (Tour #2)



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Copyright 1999-2004   Karsten Rau   Letzte Änderung: 03. Juni 2008