Das erste Mal sah ich ein Bild der Wave 1996 im Reisemagazin GEO SAISON
(Nr.4, April 1996). Ich war sofort Feuer und Flamme, konnte aber aus dem
spärlichen Bildtext nur wenig in Bezug auf deren Location erfahren.
Noch dazu wurde die Wave dort als Teil des
Paria-Flußbetts beschrieben, was sich aber später
als falsch herausstellen sollte. Auch das Schlüsselwort "Wave" fiel nicht in dem Bericht.
Der Paria River war zwar auf der Karte schnell gefunden, aber ohne
genauere Angaben war eine Suche sinnlos. Und so ging ich in meinem USA- Urlaub
im Oktober 1996 - zumindest in Bezug auf die Wave - leer aus.
Zwei Jahre vergingen. Während der Urlaubsvorbereitung für meinen
USA-Trip im Juni 1999 fiel mir wieder dieses Photo ein, und so suchte ich im
Internet nach Berichten zum Paria River. Ich fand auch allerlei Homepages
mit Trekking-Berichten, Bildern und Wegbeschreibungen zur Begehung des Paria Canyons,
jedoch war nie ein Photo der Wave darunter (war ja auch logisch, denn sie
befindet sich nunmal nicht dort).
Und so beschloß ich, das Zeitungsbild mitzunehmen und im Visitorcenter in Page
nachzufragen, ob jemand weiß, wo dieses Photo aufgenommen wurde.
Gesagt, getan. Die junge Dame im Visitorcenter betrachtete zwar angestrengt das Photo,
konnte mir aber nicht weiterhelfen. Erst eine zur Hilfe herangezogene ältere
Kollegin wußte Rat: "Das Bild wurde in den Northern Coyote Buttes
gemacht. Diese gehören zur Paria Canyon - Vermilion Cliffs Wilderness.
Ich müsse mir jedoch zuerst ein Permit von dem
Bureau of Land Management (BLM) besorgen."
Noch am selben Abend war ich unterwegs zur Ranger Station, die sich ungefähr auf
halber Strecke zwischen Page und Kanab befand. Schmunzelnd betrachtete
der Ranger mein Photo. "Yeah, that's the Wave". Überglücklich, endlich
am Ziel zu sein, hätte ich ihn am liebsten umarmt. Doch meine Freude war nur von
kurzer Dauer: Alle Permits seien schon auf Wochen hinaus vergeben und ohne Permit
keine Wave! Enttäuscht wollte ich schon umdrehen, als der Ranger, nach dem
Durchblättern seines Reservierungsbuches meinte: "You're a lucky guy".
Es gäbe noch ein freies Permit für den morgigen Sonntag. Meinen
darauffolgenden, 5-minütigen Freudentanz quittierte er nur mit einem
Kopfschütteln. ;-)
Wieviel Glück ich tatsächlich hatte, wurde mir erst viel später bewußt.
Täglich dürfen gerade 'mal 10 Wanderer in das Gebiet, um eine
Übervölkerung zu verhindern. Ein weiterer Grund für diese Beschränkung
ist der dort vorherrschende, hochempfindliche kryptobiotische Boden. Er entsteht
über einen Zeitraum von bis zu 100 Jahren und kann durch einige wenige,
unbedachte Schritte innerhalb kürzester Zeit zerstört werden.
| Copyright 1999-2002 Karsten Rau | Letzte Änderung: 04. Mai 2002 |