Der Rano Raraku ist sicherlich eine der größten und bedeutendsten
Sehenswürdigkeiten der Osterinsel und
so ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß der "Steinbruch der Moais" für viele
das mit Abstand schönste Fleckchen Erde auf Rapa Nui ist - für mich übrigens auch. ;-)
Der zerklüftete Kraterrand des Rano Raraku mit seinem weichen Tuffgestein ist der
Geburtsort nahezu aller Moais (nur einige wenige - wie z.B. der 1868 in Orongo gefundene und heute
im Britischen Museum stehende Basaltmoai Hoa Hakananai'a - wurden nicht aus dem Vulkangestein
des Rano Raraku gehauen). Man schätzt heute, daß insgesamt über 1000 Figuren
mit zusammen mehr als 3.500 Kubikmeter Fels aus dem Vulkan gemeiselt wurden - mit einfachsten Handbeilen versteht sich!
Insgesamt findet man an den Abhängen des Vulkans noch über 350 Moais in allen Fertigungsphasen.
Einige sind noch mit dem Fels verbunden, andere stecken bis zum Hals im Gras und scheinen immer noch auf ihren
Abtransport zu warten. Die zur Fertigstellung des Rückens am Fuß des Vulkans aufgestellten
Figuren sind innerhalb weniger Jahre nach dem plötzlichen Ende der Moai- Produktion (ca. 1680)
in die weiche, durch starke Regenfälle herausgespülte Gesteinsschlacke eingesunken. Dies war
allerdings kein stetiger Prozess, denn alte Zeichnungen aus dem 18. Jahrhundert belegen,
daß sich die Moais schon damals in einer nahezu identischen Lage wie heute befunden
haben.
Dieser natürlichen "Einbetonierung" haben die Moais am Rano Raraku auch zu verdanken, daß sie lange Zeit
die einzigen stehenden Monumentalfiguren der Insel waren, da alle Moais auf den Ahu- Plattformen in den
Stammesfehden des 18. und 19. Jahrhunderts umgestürzt wurden.
|
Der Vulkan Rano Raraku liegt im Südosten der Insel und ist von Hanga Roa aus
in einer halben Stunde mit dem Auto oder Motorrad zu erreichen. Die Verbindungsstrasse ist mittlerweile
durchgehend geteert, einzig die letzten 300 mit üblen Schlaglöchern geschwängerten
Meter zum Parkplatz lassen noch erahnen, wie sich die ursprüngliche Küstenstrasse bei meinem
ersten Besuch auf der Osterinsel 1998 anfühlte.
Der Vulkankrater hat einen Durchmesser von 650 Metern und beherbergt einen malerischen, mit Totoraschilf eingesäumten Kratersee. Der leicht zu besteigende, höchste Punkt des Kraterrands liegt 160 Meter über dem Meeresspiegel. Von dort hat man einen herrlichen Ausblick über die Insel. |
Übersichtskarte des Rano Raraku |
Die flach auslaufende Südflanke beherbergt die größte Konzentration an Monumentalfiguren, darunter einige der
bekanntesten und schönsten überhaupt. Aufgrund seiner Zugänglichkeit war dieser Bereich
wohl das Zentrum der Moaiherstellung und so findet man in dem oberen, felsigen Abschnitt zahllose
unvollendete Figuren, die alle samt noch mit dem Fels verbunden sind.
Man vermutet heute, daß die aus dem steilen Kraterrand gehauenen Moais in den flachen Bereich
am Fuß des Rano Raraku abgelassen wurden, wo man sie aufstellte, um ihre Rücken
fertig zu bearbeiten. Von dort wurden die Moais schließlich über den Camino de los Moais,
den "Schleppweg der Moais", zu den einzelnen Ahus transportiert.
Bei einer Erkundung des Berghangs kann man anhand der vielen, in allen Fertigungsphasen befindlichen
Moais mit ein klein wenig Phantasie problemlos deren Herstellung nachvollziehen. Dies verdanken wir
den Umstand, daß in der Mitte des 17. Jahrhundert quasi von einen Tag auf den anderen
die Moaiproduktion eingestellt wurde. Man vermutet, daß die Insulaner aufgrund einer
Überbevölkerung ihre Ressourcen vernichteten, wodurch es zu Stammesfehden
und schließlich zum Aufstand der Kurzohren gegen die Langohren kam.
Die Moaiproduktion am Rano Raraku wurde um 1680 eingestellt, die auf den Ahus stehenden
Figuren umgestürzt und die Zeremonieanlagen zerstört.
Seit damals ist der Krater eines der faszinierendsten Freilichtmuseen der Welt, denn es gibt keine Anzeichen dafür,
daß dort jemals wieder gearbeitet wurde.
Die Figuren wurden mit aus hartem Basalt hergestellten Handbeilen (toki) aus dem relativ weichen Lapili-Tuff
des Vulkans gehauen. Zuerst wurde die Oberseite mit dem Gesicht fertiggestellt, während der Moai auf
einem "Kiel" immer noch mit dem Fels verbunden war. Erst nachdem auch die Schultern und Arme fertiggestellt waren,
wurde seine "Nabelschnur" endgültig durchtrennt, und der Moai mit Hilfe von Seilen und Baumstämmen zum Fuß des
Vulkans abgelassen.
Nachfolgend möchte ich einige der bekanntesten Monumentalfiguren vorstellen, die allesamt im Bereich des südlichen Vulkans zu finden sind:
Moai HinariruHinariru ist der wohl am meisten fotografierte Moai des Rano Raraku. Er steht an der flach auslaufenden Südseite des Vulkans und ist bereits bis zur Brust im Erdreich versunken. Mit seinem ewigen Gefährten im Schlepptau ziert er zahllose Postkarten und Bildbände.
|
In den letzten Sonnenstrahlen des Tages erstrahlen der Moai Hinariru und sein ewiger Begleiter in einer goldenen Patina. |
|
Hinariru bedeutet soviel wie "verdrehter Hals" und schaut man genau hin, kann man die leichte Verdrehung des Kopfes zum Rumpf gut erkennen. Obwohl Hinariru mit keinem Superlativ glänzen kann - er ist weder der größte noch der schwerste - hat dieser Moai für mich und für viele andere seiner Bewunderer eine ganz besondere Anziehungskraft. Und so zog es mich während meiner beiden Aufenthalte gleich mehrere Male dorthin, sei es um ihn fotografisch umfassend abzulichten, sei es um gemeinsam mit ihm den spektakulären Sonnenuntergang zu genießen - ein wirklich tiefbeeindruckendes Erlebnis! Ich kenne nur ganz, ganz wenige Fleckchen auf dieser Erde, die eine vergleichbare Atmosphäre ausstrahlen.
|
Fotografiertipps:
Wie alle anderen Moais der Südflanke sollte man den Moai Hinariru am Nachmittag ablichten,
je später desto besser. Die tief stehende Sonne lässt Hinariru in einem herrlich warmen
Licht erstrahlen. Für das klassische
Hinariru- Motiv
empfehle ich zudem die Verwendung eines Polfilters, um dem Himmel ein satteres Blau zu entlocken.
|
| Copyright 1999-2005 Karsten Rau | Letzte Änderung: 03. Dezember 2005 |