Sabine aus Lausanne mit sichtlicher Zuneigung zum Moai Piro-Piro :-) |
Der Moai Piro-Piro ist nicht nur eine der schönsten, sondern zugleich auch die größte, jemals
fertiggestellte und transportierte Kolossalfigur der Osterinsel. Er misst stattliche 11 Meter, wovon noch
über 5 Meter aus dem Boden schauen. Seine Nase ist alleine schon 2 Meter lang!
Wie alle großen Figuren der letzten Schaffensperiode ist der Moai Piropiro relativ schlank,
was ihn - im Vergleich zu den massigen Moais aus den Anfängen - eine elegante, ja fast schon moderne
Silhouette
verleiht.
Grund hierfür waren aber weniger künstlerische Gesichtspunkte, als vielmehr praktische Überlegungen.
Durch das enorme Gewicht eines solchen 10-Meter-Kolosses wurde der Transport zum Ahu selbst für die
findigen Osterinsulaner zu einem fast unlösbaren Problem. Da im Zuge des fortschreitenden
Gigantismus die Figuren aber immer größer wurden, entschied man sich, die Moais
einfach etwas schlanker zu machen, um deren Gewicht möglichst gering zu halten. Trotzdem wogen
Kolosse wie der Moai Piro-Piro gut und gerne 80 (!) Tonnen. Daß die Rapanui durchaus in der Lage waren, solch enorme Gewichte über mehrere Kilometer zu transportieren, zeigt zum Beispiel der nur geringfügig kleinere Moai Paro am Ahu Te Pito Kura, der mit einer Größe von knapp 10 Metern und berechneten 80 Tonnen "Lebendgewicht" der größte Moai war, der je auf einen Ahu stand. |
Piro-Piro ist aber auch noch durch eine andere Begebenheit zu einer kleinen "Berühmtheit" unter den Moais am Rano Raraku geworden. Er war nämlich einer der wenigen Moais, der von Thor Heyerdahl während seiner 1955/56er Expedition ausgegraben wurde. Man wollte damals sehen, was sich unter dem Erdreich befindet und vorallem wie groß die Figur ist.
In seinen Büchern "Aku-Aku" und vorallem in "The Art od Easter Island" gibt es beeindruckende Fotos von dem ausgegrabenen Koloss, die erst so richtig die enormen Dimensionen dieses Moais verdeutlichen. Leider kann ich die Foto aus Copyrightgründen hier nicht zeigen, möchte aber jedem empfehlen, sich diese mal anzuschauen, wenn er eines der Bücher in die Hände bekommen sollte. Auch heute noch zeugt eine auffallende Senke in der unmittelbaren Umgebung der Figur von der über 5 Meter tiefen Grube, die damals nach Beendigung der Untersuchungen von Heyerdahl wieder verfüllt wurde.
Moai Tukuturi
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Einer der ungewöhnlichsten Moais der Insel befindet sich etwas abseits seiner Kollegen an der steilen
Südostflanke des Vulkans. Mit seinen runden Formen und der knienden Haltung widerspricht er völlig dem
standardisierten Moaitypus. Besonderheiten sind neben den ausgearbeiteten, ovalen Augen ein Ziegenbart
und die fehlenden Langohren.
Tukuturi wurde von Thor Heyerdahl entdeckt und ausgegraben. Einem Expeditionsteilnehmer fiel ein eigenartig rund behauener Fels auf, der nahezu vollständig im Erdreich versunken war. Es sollte der Kopf des knapp 4 Meter großen Moais sein. Nachdem man ihn ausgegraben hatte, wurde die Figur mit Hilfe eines Jeeps aufgerichtet. Man ordnet Tukuturi der frühen Schaffensperiode zu (um 1000 n.Chr.), also noch aus der Zeit, bevor die Moais in ihrer klassischen Form entstanden sind. Dies belegen auch einige kleinere, ähnliche Skulpturen, die man als "Baumaterial" in den Steinmauern der Ahus (speziell im Ahu Nau Nau) gefunden hat. |
Moai Tukuturi |
Moai Ko Kena He Roa |
Auf dem Foto links kann
man das Schiff gut erkennen. Die ungewöhnliche Gravur wurde mehr durch Zufall entdeckt,
nachdem der Moai von Mitgliedern der Heyerdahl- Expedition ausgegraben wurde, denn ursprünglich war die
Figur bis zu den Schultern im Erdreich versunken. |
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An meinem letzten Tag vor dem Rückflug besuchte ich noch ein allerletztes Mal meine Lieblings-Location, den
Rano Raraku. Begleitet wurde ich von Sabine aus Lausanne, einer Langzeitweltenbummlerin, die ich auf der Insel kennenlernte, und die den
Steinbruch der Moais noch nicht gesehen hatte. Es sollte eine lustige Tour werden, und ganz nebenbei war Sabine
für mich als Fotograf natürlich auch ein willkommenes und noch dazu hübsches "Fotomodell". ;-)
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First kiss ... ;-) |
Ein paar Meter weiter kommt man zu einer, in fast schon beängstigender Schräglage befindlichen Figur,
bei der man glatt meinen könnte, daß diese jede Minute endgültig umfällt.
Natürlich bewegt sie sich aber keinen einzigen Millimeter *g*, denn der mächtige Rumpf
ist felsenfest im Erdreich versunken.
Konnte mir natürlich nicht verkneifen, nachfolgendes Bild zu knipsen. Weiß ja nicht,
was die Herren Wissenschaftler bzgl. der Transport- und Aufstelltechniken immer so lange diskutieren
müssen: Mit einem beherzten Zupacken ist das doch ganz einfach! *g*
| Copyright 1999-2005 Karsten Rau | Letzte Änderung: 03. Dezember 2005 |