Rano Raraku, Rapa Nui, Copyright


Das Kraterinnere

Folgt man dem südlichsten Pfad nach Westen, erreicht man schon bald einen kleinen Einschnitt im Kraterrand, den Hauptzugang zum Kraterinneren. Der Zugang ist eigentlich aufgrund des dort auffallend rotgelben Vulkangesteins nicht zu verfehlen. Der Weg endet direkt am wunderschönen, mit Totoraschilf eingesäumten Kratersee. Dieses Totoraschilf war eine der Hauptargumente für Thor Heyerdahls These einer Besiedlung der Osterinsel von Südamerika aus, da dieses Schilfgras hauptsächlich am Titicacasee in Peru vorkommt, und dort auch zur Herstellung von Balsabooten verwendet wird.


Blick auf den Kratersee des Rano Raraku

Begeht man den schmalen, von hüfthohen Choco- Gras (einem auf die Insel eingeschleppten Unkraut) zugewucherten Trampelpfad in Richtung Südosten, so kommt man zu mehreren sehenswerten Moaigruppen, die belegen, daß auch an den inneren Felsflanken eine intensive Moaiproduktion stattgefunden haben muss.
Die Begehung der Pfade im Kraterinneren ist zwar nicht verboten, doch so ganz eindeutig ist die Sachlage diesbezüglich wohl nicht, da einige andere Besuchern berichteten, daß sie aufgefordert wurden, das Kraterinnere zu verlassen. Bei meinem letzten Besuch 2005 waren am Beginn des Pfades unweit des Sees keinerlei Verbotsschilder aufgestellt, sehr wohl aber bei dem ebenfalls möglichen Zugang während des Aufstiegs zum Gipfel.
Ich möchte deshalb empfehlen das Kraterinnere auf jeden Fall über den Hauptzugang zu besuchen. Sofern dort immer noch keine eindeutigen Verbotsschilder aufgestellt sind, sollte man auf jeden Fall die Gelegenheit nutzen, und sich einige der äußerst sehenswerten Moaigruppen anschauen. Der Pfad ist teilweise aufgrund des dichten Gebüschs nur noch schwer zu erkennen und so erfordert es schon ein klein wenig Spürsinn, daß man nicht vom Weg abkommt.

Kratersee des Rano Raraku
Der Kratersee des Rano Raraku vom Gipfel aus gesehen.
Am linken Bildrand erkennt man den Hauptzugang,
rechts unten mehrere Moai-Figuren.

Um Konfrontationen mit Besuchergruppen und deren Guides von vorne herein aus dem Weg zu gehen, sollte man es möglichst vermeiden, das Kraterinnere während der alltäglichen "Rush Hour" zu erkunden, wenn also die Gruppentouren auf dem Weg zum bzw. am Gipfel sind, denn sonst sind Euch diverse Zurufe - besonders der "Suppenhuhn-Fotografen" - sicher. Wie Du weißt nicht was das ist? Als "Suppenhuhnfotograf" bezeichne ich immer einen besonderen Typus Pauschaltourist, der in der Regel mit silber glänzender Spiegelreflex samt aufgeschraubtem und ausgefahrenen Superzoom-Objektiv à la 20-400 um den Hals (wohl eine Art Phallusersatz) verzweifelt versucht, in der wenigen ihm während der Führung zur Verfügung stehenden Zeit möglichst viele Fotos durchzujagen. ;-)

Moais im Kraterinneren
Moais im Kraterinneren kurz vor Sonnenuntergang.   

Ich habe es - nicht nur aus diesem Grund - vorgezogen, das Kraterinnere - wie eigentlich den gesamten Rano Raraku immer am späten Nachmittag bzw. zum Sonnenuntergang zu besuchen. Nicht nur hat man dann in der Regel seine Ruhe vor den Tourigruppen, man hat auch fototechnisch das mit Abstand beste Licht.

Besteigung des Rano Raraku

Eine Besteigung des 160 Meter hohen Gipfels ist relativ einfach und deshalb sehr zu empfehlen. Vom Parkplatz aus folgt man dem oberen, nach Westen führenden Pfad, der schließlich auf dem Kraterrücken ausläuft. Dort angekommen, muss man nur noch den sanft ansteigenden und gut begehbaren Bergrücken bis zum Gipfel bewältigen. Für die Besteigung braucht man selbst bei gemütlicher Gangart kaum länger als eine halbe Stunde.

Blick vom Gipfel des Rano Raraku
Blick vom Gipfel auf den Ahu Tongariki (rechts)
Links im Hintergrund erkennt man die steilen Klippen
der Poike Peninsula, sowie den Felssporn der Marotiri-Insel.

Oben angekommen wird man mit einem herrlichen Rundumblick belohnt, der wirklich seinesgleichen sucht. Im Nordosten erkennt man die Poike Halbinsel mit dem bewaldeten Gipfel des Vulkans Maunga Puakatiki. Blickt man weiter nach rechts erkennt man tief unter einem die winzig wirkenden Moais des Ahu Tongariki. Genau gegenüber hat man einen tollen Blick über den Kratersee hinweg zur höchsten Erhebung der Insel, den Maunga Terevaka, der seinen Gipfel aber meist hinter Wolken verhüllt.
Wendet man sich schließlich nach Süden, so kann man in der Ferne die Steilklippe des Rano Kau erkennen.

Ahu Tongariki
Mit einer großen Brennweite bekommt man den 2 Kilometer
entfernten Ahu Tongariki formatfüllend aufs Bild.

In der unmittelbaren Umgebung des Gipfels findet man mehrere kreisrunde Löcher im Fels, die teilweise einen Durchmesser und eine Tiefe von einem Meter aufweisen. Diese sind allerdings nicht auf natürliche Art entstanden, sondern wurden von den Insulanern als Aufnahme für Baumstämme angefertigt, an denen die Moaifiguren mit Hilfe von Seilen zum Fuß des Kraters abgelassen wurden, um sie dort weiter bearbeiten zu können. Dies ist zugleich auch ein Beleg für die These, daß es zur Blütezeit der Osterinselkultur noch ausgedehnte (Palmen-) Wälder auf Rapa Nui gegeben haben muss, die allerdings im Zuge der Moaiproduktion - bei der die Stämme vorallem als Unterlage beim Transport der Figuren Verwendung fanden - vernichtet wurden.
Für mich ist der Gipfel des Rano Raraku einer der schönsten Aussichtspunkte auf der Insel, und so war ich während meiner beiden Touren mehrmals dort oben. Besonders schön ist der Gipfel am späten Nachmittag, wenn die meisten Touristen bereits wieder zurück in ihrem Hotel in Hanga Roa sind, und man die sagenhafte Aussicht ganz alleine genießen kann.

Blick vom Rano Raraku
Blick vom Gipfel des Rano Raraku nach Norden

Auf der nächsten Seite findest Du zahlreiche Tipps für eine erfolgreiche Fotosession am Rano Raraku.

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Copyright 1999-2005   Karsten Rau   Letzte Änderung: 03. Dezember 2005