Rano Raraku, Rapa Nui, Copyright


Fotografiertipps und -technik

Der Rano Raraku mit seiner schier unendlichen Motivvielfalt ist für Fotografen zweifelsohne eine der Traum-Locations schlechthin. Hier kann man sich ob der zahllosen First Class- Motive fototechnisch mal wieder so richtig austoben, und so ist es keine Seltenheit, wenn man hier an den Abhängen des Kraters mehrere Tage (und Nächte *g*) zubringt. Ich selbst war wohl während meiner beiden Reisen ein gutes Dutzend Mal am Steinbruch der Moais, und bin mir sicher, daß es dort immer noch zahllose Motive gibt, die ich überhaupt nicht entdeckt habe.
Nachfolgend möchte ich einige der Erfahrungen weitergeben, die ich während meiner ausgiebigen Fotosessions am Rano Raraku sammeln konnte:

Abendrot am Rano Raraku
Abendrot am Rano Raraku   

Beste Tageszeit

Auf einen Nenner gebracht: "Je später desto besser!" Da sich die interessantesten Motive des Rano Raraku an der Süd- und Westflanke befinden, sollte man einen Besuch am Morgen bzw. Vormittag vermeiden, da man als Fotograf dann mit unschönem Gegenlicht und ungünstiger Schattenbildung zu kämpfen hat.
Vielmehr ist der Rano Raraku der Inbegriff einer "Sunset- Location", und so hat man die mit Abstand beste Ausleuchtung während der Golden Hour am späten Nachmittag bzw. zum Sonnenuntergang. Die einzelnen Bildstimmungen sind aber selbst in einem so engen Zeitraum noch sehr unterschiedlich. Die eigentliche "Golden Hour" ist auf Rapa Nui übrigens - wohl aufgrund der ultraklaren Luft - gerade mal eine viertel Stunde lang, denn nur unmittelbar vor Sonnenuntergang versinkt der Krater in ein goldenes Licht.
Nachfolgend möchte ich Euch anhand eines kleinen Beispiels die unterschiedlichen Lichtstimmungen abhängig von der Aufnahmezeit zeigen. Hierfür habe ich einen der "Motivklassiker" des Rano Raraku gewählt, den Moai Hinariru. Alle drei Fotos wurden innerhalb von gerade einmal zweieinhalb Stunden aufgenommen (allerdings an unterschiedlichen Tagen). Leider habe ich kein Foto zur Mittagszeit aufgenommen (ist IMO das Negativ bzw. die Pixel nicht wert).



Das erste Foto wurde zwar erst um 17:45 aufgenommen, man könnte aber aufgrund des relativ harten Lichts glatt meinen, daß es weit früher entstanden ist. Im direkten Vergleich zu den beiden anderen Bildern sind die Farben deutlich "poppiger", was wohl vorallem am intensiven Himmelsblau (verstärkt durch die Verwendung eines Polfilters) und dem intensiv grünen Gras liegt. Nachteilig wirkt sich hingegen die aufgrund des höheren Sonnenstands ungünstige Ausleuchtung der Gesichtspartie aus (unschöne Schattenbildung an den Augenhöhlen und an der Nase). Trotzdem ist dies lichtmäßig sicherlich die bekannteste Variante dieses Motivs. Ich denke man kann sich gut vorstellen, wie negativ sich eine noch höhere Sonne auf die Lichtstimmung auswirken würde.

Das zweite Bild wurde fast zwei Stunden später, um 19:40 aufgenommen. Das Licht ist bereits deutlich weicher und wärmer, die Gelb- und Erdtöne überwiegen. Die Moais sind aufgrund der tieferen Sonne sehr gut ausgeleuchtet (Augenpartien!). Der Schattenwurf ist allerdings schon merklich länger. Insgesamt die wohl harmonischste Lichtstimmung. Übrigens, auch wenn es aufgrund des bedeckten Himmels den Anschein hat, die Sonne war bei diesem Shot völlig wolkenfrei.

Das letzte Foto wurde um 20:20, kurz vor Sonnenuntergang aufgenommen. Aufgrund des langwelligen Lichts der extrem tief stehenden Sonne leuchten die Moais und auch die Felsen fast schon golden. Rote und gelbe Farbtöne sind nun am intensivsten, die Ausleuchtung der Figuren ist sehr gut. Nachteilig wirken sich jetzt allerdings die sehr langen Schatten aus, vorallem der unschön ins Motiv fallende eines benachbarten Moai. Auch der eigene Schattenwurf und der des Stativs zwingen nun dazu, seine Kamera weiter nach hinten zu versetzen.

Man kann denke ich, gut erkennen, daß es sich durchaus lohnt die gesamte Golden Hour für seine Fotosession auszunutzen, und während dieser Zeit ruhig auch mehrmals das gleiche Motiv abzulichten. Die Unterschiede in den einzelnen Lichtstimmungen sind deutlich sichtbar, und so ist es vielmehr eine Frage des persönlichen Geschmacks, welches Foto einem am Ende am besten gefällt.
Das gleiche trifft übrigens auch - in umgekehrter Reihenfolge - für den Sonnenaufgang und die ersten beiden Stunden danach zu, allerdings ist das weniger für den Rano Raraku als vielmehr für die typischen Sunrise - Locations wie den benachbarten Ahu Tongariki interessant.

Rapa Nui
Abendrot über Rapa Nui   

Sonnenuntergang

Obwohl der nahe Hanga Roa gelegene Ahu Tahai die wohl bekannteste Sunset- Location der Osterinsel ist, halte ich persönlich den Rano Raraku aufgrund seiner nahezu perfekten Ausrichtung und der schier unendlichen Motivvielfalt als den wahren "Place to be", was den Sonnenuntergang auf Rapa Nui angeht. Der Ahu Tahai ist wohl auch nur deshalb so stark frequentiert, weil er vom Stadtzentrum aus problemlos zu Fuß zu erreichen ist, und so versammelt sich dort allabendlich eine kleine Armada von mehr oder weniger gut ausgestatteten Fotografen.
Natürlich sollte man den Sonnenuntergang am Ahu Tahai auch unbedingt einmal erlebt haben, schon alleine, um das immer wieder lustig anzuschauende Blitzlichtgewitter der vielen Gelegenheitsfotografen zu bewundern, die es wohl auch in hundert Jahren nicht kapieren werden, daß man ein 30 Meter entferntes Motiv nicht mit einem Funzel-Blitz ausleuchten kann, geschweige denn daß dieser ein Stativ ersetzt. ;-)

Rano Raraku
Moais watching sunset...   

Eines der schönsten Sonnenuntergangsmotive am Rano Raraku lässt sich hoffentlich auf dem Foto oben ein wenig erahnen. Hauptdarsteller ist (wieder einmal) mein "Lieblingsmoai" Hinariru, dessen Ausrichtung perfekt zur untergehenden Sonne passt. Aufgrund der noch gut sichtbaren Sonne war es deutlich heller, als es auf dem Foto den Anschein hat. Die heftigen Helligkeitsunterschiede erforderten neben einem manuellen Eingreifen in die (überforderte) Belichtungsautomatik auch einen tiefen Griff in die Trickkiste, um die erwünschte mystische Stimmung aufzubauen.
Neben einer manuellen Unterbelichtung um eineinhalb Blendenstufen war auch ein stark gepushter externer Blitz notwendig, um Hinariru's linke Seite etwas Zeichnung zu geben. Damit aber das umgebende Gelände durch den Blitz nicht auch ausgeleuchtet wurde (was unnatürlich ausgesehen hätte), war es obendrein notwendig, den Reflektor weit nach oben zu schwenken.
Schließlich habe ich mehrere Belichtungsreihen geknipst, um damit den Kontrastumfang mittels DRI (Dynamic Range Increase) zu erhöhen. Ohne DRI wäre das Motiv bei richtiger Belichtung des Himmels bzw. der Sonne zum tiefschwarzen Scherenschnitt mutiert.

Moai Piro-Piro
Moai Piro-Piro   
Ein weiteres Beispiel ist dieses, mit ganz ähnlicher Technik aufgenommene Foto vom Moai Piro-Piro. Auch hier habe ich stark unterbelichtet (-2.0), um die besondere Stimmung einzufangen. Das Wolkenloch kam natürlich wie gerufen und zeigt, daß man auch mit einem bedeckten Himmel brauchbare Fotos machen kann.
Ein mehr oder weniger bewölkter Himmel ist auf Rapa Nui übrigens die Regel, strahlendblauer Himmel eher die Ausnahme. Für einen stimmungsvollen Sonnenuntergang bzw. ein schönes Abendrot sind Wolken aber eh notwendig, fehlen diese kann man sich eine Sunset- Fotosession eigentlich sparen.
Man sollte übrigens unbedingt noch eine halbe bis zu einer Stunde nach Sonnenuntergang am Rano Raraku bleiben, denn das Abendrot ist - bei entsprechender Wolkenbildung - absolut sehenswert (siehe 1. und 2. Foto auf dieser Seite).

Abschließend möchte ich noch auf ein weiteres, lohnendes Motiv am Rano Raraku verweisen. In der Abenddämmerung findet man am Abhang gelegentlich Wildpferde, die zwischen den Moais grasen. Diese stellen natürlich ein sehr interessantes Motiv da, allerdings muss man schon ein klein wenig Glück haben, wenn man sie in unmittelbarer Nähe eines Moais ablichten kann. Die Pferde sind zwar nicht sonderlich scheu, näher als vielleicht 10 Meter lassen sie einen aber nicht ran, weshalb ein Tele natürlich ratsam ist. Das Foto entstand nach einem der vielen kurzen Regenschauer, weshalb das Fell der Pferde so herrlich glänzt.

freilaufende Pferde am Rano Raraku
Freilaufende Pferde am Rano Raraku   


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Copyright 1999-2005   Karsten Rau   Letzte Änderung: 03. Dezember 2005